Timo Nannen unterstützt Ärztinnen und Ärzte, die klinische Studien durchführen, also Studien mit Patientinnen und Patienten. – Foto: Inselspital

29.4.2021

Forschungskoordinator Timo Nannen

Timo Nannen betreut Forschungsstudien zur Strahlentherapie am Tumorzentrum Bern. Dadurch ist er mit vielen Spezialistinnen und Spezialisten, aber auch mit Patientinnen und Patienten im Kontakt. Was ihm an der stark vernetzten Arbeit gefällt, erzählt er im Gespräch.

Wir sind im Empfangsraum der Universitätsklinik für Radio-Onkologie. Auf dem grossen Bildschirm steht: «Wir forschen für Sie». Patientinnen und Patienten werden darauf aufmerksam gemacht, dass sie an Studien mitmachen können, die die Behandlung von Menschen mit ähnlichen Gesundheitsproblemen verbessern könnten.

Den Alltag erleichtern

Ein Universitätsspital wie das Inselspital engagiert sich stark in Forschung, von Versuchen im Labor über die Forschung mit Menschen bis hin zur Umsetzung in der Behandlung.

Die Forschung will den Alltag von Patientinnen und Patienten erleichtern, also Behandlungen verbessern, neue Medikamente prüfen, Nebenwirkungen dämpfen, Heilungschancen erhöhen und wo eine Heilung nicht möglich ist, das Leben mit Krebs erträglicher machen.

Das Bindeglied

Timo Nannen ist Forschungskoordinator. Oder Study Nurse. Oder Research Nurse. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, daher die Unterschiede. «Wir sind das Bindeglied in der Mitte», sagt er. Mit seinem Team von sechs Personen – das Team der Klinischen Forschungseinheit der Radio-Onkologie – betreut er klinische Forschungsstudien. Dabei unterstützt er Ärztinnen und Ärzte und begleitet deren Patientinnen und Patienten während einer Studie. Er hat sowohl Kontakt zu den forschenden Ärzten oder Pharmafirmen als auch zu den Behörden, die jede Studie in einem ausführlichen Prüfverfahren genehmigen müssen.

Seine Arbeit bezeichnet er als koordinierende und administrative Unterstützung der Studienleitenden. «Ich arbeite sozusagen im Hintergrund. Davon sehen die Patientinnen und Patienten, die nicht an Studien teilnehmen, kaum etwas», sagt er. Aber in Kontakt ist er mit den Studienteilnehmenden.

«Manche Studien dauern monate- oder gar jahrelang. Da lernt man sich schon kennen.»

Persönliche Kontakte

«Manche Studien dauern monate- oder gar jahrelang. Da lernt man sich schon kennen», sagt Timo Nannen. Wenn Patientinnen und Patienten zu ihren Arztvisiten ins Spital kommen, sieht er sie persönlich. Er steht ihnen für Fragen zur Verfügung, besonders häufig etwa zum Datenschutz. «Wir arbeiten mit ihnen die Fragebögen durch, die jede Studie braucht. Auch für Blutentnahmen sind wir da.»

Ein Tumorzentrum vernetzt Fachspezialistinnen und -spezialisten. Zum Vorteil für Krebskranke. – Foto: unsplash.com

Blick über den Tellerrand

Ein Tumorzentrum definiert sich dadurch, dass viele verschiedenen Berufsgruppen aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammenarbeiten. Dies bestimmt auch Timo Nannens Alltag.

Er ist mit allen Behandelnden in Kontakt, innerhalb seiner Klinik, aber auch mit Fachleuten anderer Kliniken, dem Labor, Hausärzten, mit all jenen, bei denen eine Patientin oder ein Patient in Behandlung oder in Untersuchung ist.

Timo Nannen tauscht sich mit ihnen aus und koordiniert die Termine, beispielsweise, wenn er für einen Patienten die Resultate einer Laboruntersuchung beim Hausarzt bestellt. Oder wenn er dafür sorgt, dass eine Patientin für ihre Untersuchungen nur einmal ans Spital kommen muss.

Was gefällt ihm an dieser interdisziplinären Arbeitsweise?

«Mir gefällt der Blick über den Tellerrand. Ich sehe, wie andere Berufsgruppen arbeiten, ich lerne andere Fachgebiete und Erkrankungen besser kennen.»

Forschung bringt neue Erkenntnisse

Auf die Frage, ob er sich über eine Studie oder ein Resultat freut, winkt Timo Nannen ab: «Man gewinnt in der Forschung neue Erkenntnisse, Resultate, die besser oder schlechter sind. Enttäuschungen oder Freude wegen einer Studie gibt es nicht. Neue Erkenntnisse gewinnen, das ist unser Ziel.» Jede neue Erkenntnis treibe voran, unabhängig vom Resultat einer Studie.

Hart am Netz: Timo Nannen spielt Badminton – Foto: unsplash.com

Zur Person

Timo Nannen (44) ist gelernter Pflegefachmann, er arbeitete nach der Ausbildung zunächst auf einer Intensivstation in der Pflege und anschliessend als Study Nurse wie heute. Später wechselte er in die Radio-Onkologie, ab 2009 am Inselspital. Sein Team der Klinischen Forschungseinheit betreut Studien, die sich hauptsächlich mit der Strahlentherapie von Tumoren befassen.

Timo Nannen ist Vater zweier kleiner Kinder, er verbringt viel Zeit mit seiner Familie. Daneben spielt er regelmässig im Badminton Club Bern als Mannschafts-Captain des dritten Teams. Er blickt dem Augenblick entgegen, wo er nach dem Corona-Unterbruch das Training und die Meisterschaft endlich wiederaufnehmen kann. Timo Nannen lebt in Bremgarten bei Bern.

(Text: Peter Rüegg)

Klinische Studien

Eine Übersicht der aktiven klinischen Studien der Kliniken und Institute des UCI finden Sie unter: 
https://www.tumorzentrum.insel.ch/de/klinische-studien/

University Cancer Center Inselspital (UCI)

UCI – Das Tumorzentrum Bern ist ein führendes universitäres Zentrum für Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen. Patientinnen und Patienten mit einer Krebserkrankung finden ein umfassendes Angebot an individuell angepassten Behandlungsmöglichkeiten. Hoch spezialisierte Expertenteams beraten und behandeln in jeder Krankheitsphase nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Standards.

www.tumorzentrum.insel.ch